Wembley-Stadion: ein Porträt der englischen Fußballkathedrale
Das Wembley-Stadion im Nordwesten Londons ist die Heimat des englischen Fußballs. Die heutige Spielstätte, 2007 auf dem Gelände des Originals von 1923 eröffnet, trägt die wichtigsten Begegnungen der englischen Nationalmannschaft, das FA-Cup-Finale, die Aufstiegsspiele zur Premier League, die NFL-London-Games und die größten Konzerte des Landes aus. Der 133 Meter hohe Bogen über der Nordtribüne gehört zu den markantesten Bauwerken Londons. Das Stadion findet sich auf der Karte.
Das alte Wembley (1923–2003)
Das erste Wembley wurde 1922–1923 für die British Empire Exhibition errichtet; die Zwillingstürme am Südende prägten das Bild des Stadions acht Jahrzehnte lang. Eröffnungsereignis war das FA-Cup-Finale 1923 zwischen Bolton Wanderers und West Ham — das berühmte „White Horse Final", zu dem schätzungsweise 200.000 bis 300.000 Fans in die Anlage drängten und die geplanten 127.000 Plätze weit überschritten. Polizist George Scorey auf seinem Schimmel „Billy" half, das Spielfeld zu räumen; Bolton gewann 2:0.
Im alten Wembley fanden die Eröffnungsfeier und der Leichtathletikwettbewerb der Olympischen Spiele 1948, das WM-Finale 1966 (England 4:2 Westdeutschland), Live Aid 1985 und unzählige FA-Cup-Finale statt. Die Entscheidung zum Abriss und Neubau war politisch und emotional umstritten, fiel letztlich aber wegen der baulichen Grenzen des ursprünglichen Bowls.
Das neue Wembley (seit 2007)
Norman Foster and Partners entwarf das neue Wembley gemeinsam mit HOK Sport (heute Populous) als 90.000-Sitze-Schale mit einem einzigen 133-Meter-Stahlbogen, der die Dachstruktur über der Nordtribüne trägt. Der Bogen ist die längste freitragende Dachstruktur der Welt und an klaren Tagen aus großen Teilen Londons sichtbar. Multiplex zeichnete für den Bau von 2002 bis 2007 verantwortlich; die Endsumme von rund 798 Millionen Pfund machte Wembley zum damals teuersten Stadion der britischen Geschichte.
Der Neubau ersetzt die Zwillingstürme durch den Bogen als Signaturmerkmal. Das Innere wurde gezielt entworfen, um jeden Mangel des alten Wembleys zu beheben: bessere Sichtlinien, moderne Umläufe für 90.000 gleichzeitige Bewegungen, vollständige Hospitality und exzellente Akustik.
FA-Cup-Finale und „Road to Wembley"
Das FA-Cup-Finale findet seit 1923 in Wembley statt (mit Ausnahmen während des Umbaus, als Spiele im Millennium Stadium in Cardiff ausgetragen wurden). Die „Road to Wembley" — der rituelle Aufstieg durch die Pokalrunden — gehört zu den geschätztesten Traditionen des Fußballs, denn gelegentlich erreichen unterklassige Vereine die dritte Runde und ziehen Premier-League-Gegner. Das Finale selbst, traditionell an einem Samstag im Mai, bleibt ein nationales Großereignis, auch wenn die wirtschaftliche Dominanz der Premier League den relativen Stellenwert des Pokals verringert hat.
Englandspiele und EM 2020
Die englische Nationalmannschaft trägt ihre wichtigsten Heimspiele in Wembley aus. Zu den großen Turnierspielen gehören das WM-Finale 1966, das EM-Finale 1996 und das EM-Finale 2020 (verschoben auf 2021), das Italien gegen England nach einem 1:1 im Elfmeterschießen 3:2 gewann. Das EM-Finale 2020 war von Sicherheitsproblemen und Fanverhalten außerhalb der Anlage überschattet, was zu einer UEFA-Ermittlung und einem Geisterspiel als Sanktion führte.
Champions-League-Finale
Wembley hat das UEFA-Champions-League-Finale mehrfach ausgetragen (1963, 1968, 1971, 1978, 1992, 2011, 2013 und 2024). Das Finale 2011 — Barcelonas 3:1-Sieg über Manchester United — gilt als eine der großen Klubleistungen der jüngeren Zeit. Das deutsche Finale 2013 (Bayern 2:1 Borussia Dortmund) und das Finale 2024 (Real Madrid 2:0 Borussia Dortmund) bestätigten Wembleys festen Platz in der UEFA-Topausrichtung.
NFL London und andere Sportarten
Seit 2007 trägt Wembley NFL-London-Spiele aus; in manchen Saisons bis zu vier Spiele pro Jahr. Das Stadion beherbergt zudem Rugby-League-Challenge-Cup-Finale, olympische Fußballspiele (London 2012) und weitere Großveranstaltungen. Der Veranstaltungskalender spiegelt den breiteren wirtschaftlichen Druck im englischen Sport wider: 90.000 Sitze sind nur über eine Mischung von Sportarten und Konzerten finanzierbar.
Der Bogen
Der Norman-Foster-Bogen ist das strukturelle und visuelle Element, das das neue Wembley definiert. Mit 133 Metern Höhe und 315 Metern Spannweite trägt er die gesamte Last der Nord-Dachhälfte, während die Süd-Dachhälfte als Seilkonstruktion ohne stützende Säulen ausgeführt ist, die die Tribünen verstellen würden. Der Bogen wird nachts angestrahlt und ändert seine Farbe zu Klubwettbewerben, nationalen Ereignissen und Gedenkanlässen — bei englischen Großsiegen weiß, bei Frauenspielen häufig rot und blau, bei Gedenkanlässen in Einzelfarben je nach Anlass.
Weiter entdecken
Wembley ist an den meisten Tagen für Stadionführungen geöffnet, wenn keine Veranstaltung läuft. Die Tour umfasst die Kabinen, den Spielertunnel, die Trophäenausstellung und den ikonischen 107-Stufen-Aufstieg zu den Pokalverleihungsrängen. Das Areal Wembley Park rund um das Stadion ist umfassend neu entwickelt worden; das Boxpark-Restaurantviertel bietet ein Matchday-Erlebnis direkt neben dem Stadion. Die Lage findet sich auf der Karte.