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San Siro: das Stadio Giuseppe Meazza im Porträt

Das Stadio Giuseppe Meazza, allgemein nach dem Mailänder Stadtteil San Siro genannt, ist die gemeinsame Heimat von AC Mailand und Inter Mailand und kapazitätsmäßig das größte Stadion Italiens. Die heutige Anlage — dritter Rang, vier spiralförmige Türme, ein rotes Gittertragwerk als Dach — wurde für die WM 1990 fertiggestellt und fasst 75.817 Plätze. Nach fast acht Jahrzehnten gemeinsamer Nutzung planen beide Klubs, das Meazza für neue Stadien zu verlassen — eine der meistdiskutierten Geschichten des italienischen Sports. Der gegenwärtige Standort liegt auf der Karte.

Anfänge (1925-1935)

Das ursprüngliche San Siro entstand 1925-1926 als vereinseigenes Stadion des AC Mailand auf einem Grundstück, das der Industrielle und Vereinspräsident Piero Pirelli gestiftet hatte. Das erste Spiel — Milan gegen Inter am 19. September 1926 — endete mit einer 3:6-Heimniederlage. Die ursprüngliche Kapazität lag bei rund 35.000. Inter zog 1947 endgültig ins Stadion ein und formalisierte damit das Modell der gemeinsamen Nutzung, das den Ort seither prägt.

Giuseppe Meazza

Das Stadion wurde 1980 offiziell in Stadio Giuseppe Meazza umbenannt — zu Ehren des Inter- und Milan-Stürmers, der 33 Länderspieltore für Italien erzielte und in den 1930er Jahren zweimal Weltmeister wurde. Meazza, mit 365 Einsätzen für Inter und 37 für Milan, ist eine der wenigen Figuren, die in beiden Lagern Verehrung genießen — was die Umbenennung politisch erst möglich machte. Der populäre Name San Siro hat sich im Alltag erhalten.

Der Ausbau zur WM 1990

Die Verwandlung San Siros in seine heutige Gestalt fand zwischen 1987 und 1990 für die FIFA-WM statt. Die vier spiralförmigen Eckrampen — vom halben Mailänder Westen aus sichtbar — entstanden, um den neuen dritten Rang zu erschließen, der die Kapazität von 60.000 auf 85.700 hob (später durch Sicherheitsvorschriften auf die heutigen 75.817 reduziert). Das rote Gitterdach, getragen von elf externen Stützen, kam in derselben Bauphase hinzu. Bei der WM 1990 trug Italien die Gruppenspiele im San Siro aus und verlor hier das Spiel um Platz drei.

Das Derby della Madonnina

Das Derby della Madonnina zwischen Milan und Inter trägt seinen Namen nach der vergoldeten Marienfigur auf der Spitze des Mailänder Doms. Zweimal jährlich in der Serie A ausgetragen, regelmäßig auch in Coppa Italia und europäischen Wettbewerben (am bekanntesten in den Champions-League-Halbfinals 2003 und 2023, gewonnen jeweils von Milan und Inter), zählt es zu den meistgesehenen Spielen des Fußballs. Da beide Klubs das Stadion teilen, gibt es im Derby kein echtes Heimspiel: Die „Heim"-Mannschaft erklärt schlicht den oberen oder unteren Abschnitt der Südkurve zum eigenen Block.

Champions-League-Abende

San Siro hat vier Endspiele um den Europapokal der Landesmeister bzw. die Champions League ausgetragen (1965, 1970, 2001, 2016) und immer wieder Halb- und Viertelfinalspiele beider Mailänder Klubs auf ihren mehrfachen Europapokalwegen erlebt. Das Derby-Halbfinale 2003, über zwei Spiele im San Siro ausgetragen, gilt regelmäßig als eine der atmosphärisch dichtesten Begegnungen der Champions-League-Geschichte.

Architektur und die Spiralrampen

Architektonisches Erkennungsmerkmal des San Siro seit 1990 sind die vier spiralförmigen Zugangsrampen an den Ecken — von außen sichtbar, statisch unabhängig vom Tribünengeflecht und entworfen von Giancarlo Ragazzi, Enrico Hoffer und Leo Finzi. Die Rampen ermöglichen den Aufgang zum dritten Rang zu Fuß, ohne Aufzug oder Rolltreppe, und sind zum visuellen Markenzeichen des Stadions geworden, sowohl von den Zufahrtsstraßen aus als auch aus der Luft. Die elf außenliegenden Dachstützen — jede ein Tragelement des Gitterdachs — wirken ähnlich identitätsbildend.

Die Abrissdebatte

Seit 2019 schlagen Milan und Inter gemeinsam vor, das San Siro abzureißen und durch ein neues gemeinsames Stadion auf demselben oder einem benachbarten Areal zu ersetzen. Der Plan stößt auf nachhaltigen Widerstand der Stadt Mailand, von Denkmalschutzgruppen und einem erheblichen Teil der Anhängerschaft beider Klubs und wurde wiederholt durch Verfahrensfragen und Streitigkeiten über den Denkmalstatus des Bestandsbaus aufgehalten. Stand 2026 ist die Lage offen: Beide Klubs spielen weiter im San Siro und bereiten zugleich Alternativen vor, einschließlich der Möglichkeit zweier eigener neuer Stadien.

Vom Lesen zum Planen

San Siro ist an den meisten Tagen für Stadionführungen geöffnet — Kabinen, Spielertunnel, Pressekonferenzraum und Museum, das die Geschichte beider Klubs entlang ihrer Europapokalsiege, der Derbymomente und der großen Spielergestalten von Meazza über Maldini bis Ronaldo und Zlatan erzählt. Das Stadion erreicht man mit der Mailänder Metrolinie M5, Haltestelle San Siro Stadio. Die Lage findet sich auf der Karte.