← Zurück zum Blog

Olympiastadien damals und heute: Von Berlin 1936 bis Paris 2024

Olympiastadien werden für einen Anlass gebaut, der zwei Wochen dauert. Was danach passiert, ist eine der schwierigsten Fragen des internationalen Sports: Wer finanziert den Unterhalt? Wer füllt die Kapazität? Die Geschichte der olympischen Sportstätten seit 1936 ist eine Geschichte von Triumphen, weißen Elefanten und cleveren Umwidmungen.

Berlin 1936 — Olympiastadion Berlin

Das Berliner Olympiastadion wurde nach Plänen von Werner March für die Spiele 1936 unter dem NS-Regime errichtet und fasst heute nach dem Umbau von 2004 74.244 Zuschauer. Es ist Heimstadion von Hertha BSC und war Austragungsort des WM-Endspiels 2006. Die Laufbahn wurde 2004 entfernt, das Innenfeld für Fussball optimiert. Das Stadion steht unter Denkmalschutz; die historische Schwere des Bauwerks ist für jeden Besucher spürbar.

Helsinki 1952 — Olympiastadion Helsinki

Das Helsinkier Olympiastadion, ursprünglich für die Spiele 1940 geplant (die wegen des Zweiten Weltkriegs nicht stattfanden), wurde für 1952 fertiggestellt. Kapazität heute rund 36.000 Plätze. Es dient als Heimstadion der finnischen Nationalmannschaft und wurde 2005–2020 umfassend renoviert. Die Renovierung wurde mit dem Erhalt des klassischen Turmwahrzeichens abgeschlossen.

Rom 1960 — Stadio Olimpico

Das Stadio Olimpico in Rom war bereits vor den Olympischen Spielen gebaut und wurde für 1960 erweitert. Heute fasst es 70.634 Zuschauer und ist gemeinsames Heimstadion von AS Roma und SS Lazio. Es war Austragungsort der WM-Finals 1990 und der Champions-League-Finals 2009. Eine neue Heimstadion-Lösung für beide Klubs wird seit Jahren diskutiert, aber noch nicht realisiert.

Tokio 1964 und 2020 — Vom Tange zum Kuma

Das Nationalstadion von Tokio, für 1964 von Kenzo Tange entworfen, wurde 2015 abgerissen. Der geplante Ersatz von Zaha Hadid wurde nach Kostenexplosion verworfen; das neue Stadion entwarf schließlich Kengo Kuma. Das Japan National Stadium — eröffnet 2019, genutzt für Olympia 2020 (ausgetragen 2021) — fasst 68.000 Zuschauer. Die Holzlamellenstruktur des Außenbilds ist eine direkte Antwort auf die japanische Bautradition und klimatische Anforderungen.

München 1972 — Olympiastadion München

Das Olympiastadion München, entworfen von Frei Otto und Günter Behnisch für die Spiele 1972, ist mit seiner leichten Zeltdachkonstruktion eines der architektonisch revolutionärsten Stadien des 20. Jahrhunderts. Kapazität rund 69.250 Plätze. Nach dem Wegzug des FC Bayern in die Allianz Arena (2005) verlor das Stadion seinen Status als Topfussballarena; es dient heute als Konzertstätte und Heimstadion für den TSV 1860 München (wenn in den unteren Ligen). Die Anlage ist öffentlich zugänglich und Teil des Olympiaparks.

Montréal 1976 — Stade Olympique

Das Stade Olympique in Montréal, entworfen von Roger Taillibert, fasste ursprünglich 66.308 Zuschauer. Es steht exemplarisch für die Misswirtschaft olympischer Bauprojekte: Die Kosten explodierten, der geplante Turm mit einziehbarem Dach funktionierte jahrzehntelang nicht. Das Dach wurde 1987 installiert, musste aber nach Schäden 1998 dauerhaft zurückgezogen werden. Das Stadion beherbergt heute den MLB-Klub Montreal Expos nicht mehr — die haben 2004 die Stadt verlassen.

Moskau 1980 — Luzhniki

Das Luzhniki-Stadion in Moskau, erbaut 1956 und für die Spiele 1980 genutzt, fasst nach dem vollständigen Umbau für die WM 2018 rund 81.000 Zuschauer. Es ist Heimstadion der russischen Nationalmannschaft und war Austragungsort des WM-Endspiels 2018 (Frankreich vs. Kroatien). Das Luzhniki ist eines der wenigen Olympiastadien, das nach Umbau die ursprüngliche Kapazität hielt und aktiv bespielt wird.

Los Angeles 1984 — Los Angeles Memorial Coliseum

Das LA Memorial Coliseum, erbaut 1923, ist das einzige Stadion, das bisher zweimal Olympische Spiele ausgetragen hat (1932 und 1984) und 2028 ein drittes Mal dient. Kapazität nach Renovierung 2019 rund 77.500 Plätze. Es ist Heimstadion von USC Trojans im College Football.

Seoul 1988 — Seoul Olympic Stadium

Das Olympiastadion Seoul fasst 69.950 Zuschauer und ist heute Heimstadion für leichtathletische Veranstaltungen und Konzerte. Es war auch Schauplatz der Eröffnungsfeier des WM-Turniers 2002.

Barcelona 1992 — Estadi Olímpic Lluís Companys

Das Olympiastadion auf dem Montjuïc, ursprünglich 1929 für eine nicht stattgefundene Weltausstellung geplant, wurde für 1992 renoviert und fasst 56.000 Zuschauer. Der FC Barcelona nutzt es seit 2023 als Ausweichstadion während des Camp-Nou-Umbaus.

Sydney 2000 — Stadium Australia

Das Stadium Australia in Sydney (heute Accor Stadium) fasste bei den Spielen 2000 rund 110.000 Zuschauer und wurde danach auf 83.500 reduziert. Es ist Heimstadion für Rugby League, Rugby Union und Football und Austragungsort des AFL-Spielbetriebs.

Athen 2004 — OAKA

Das Olympische Zentrum in Athen, entworfen von Santiago Calatrava (das markante Stahlbogen-Dach), leidet unter dem bekanntesten Olympia-Nachnutzungsproblem: Teile der Anlage stehen seit 2004 weitgehend ungenutzt. Das Hauptstadion fasst 69.618 Zuschauer und dient als Heimarena von AEK Athen und Panathinaikos.

Peking 2008 — das Vogelnest

Das Nationalstadion Peking, entworfen von Herzog & de Meuron und mit dem Spitznamen "Vogelnest" versehen, fasst 91.000 Zuschauer. Es gehört zu den bekanntesten Stadionbauten des 21. Jahrhunderts. Nach den Spielen 2008 kaum genutzt, wurde es für die Winterspiele 2022 wiederverwendet — ungewöhnlich für ein Sommersportstadion. Heute ist es ein Touristenziel mehr als eine aktive Sportstätte.

London 2012 — London Stadium

Das Olympiastadion London, erbaut für 80.000 Zuschauer, wurde nach den Spielen auf 60.000 reduziert und ist seit 2016 Heimstadion von West Ham United. Die Umwidmung war umstritten — eine Laufbahn trennt die Fans vom Spielfeld, was die Atmosphäre gegenüber einem reinen Fussballstadion mindert.

Rio 2016 — Estádio Nilton Santos und Umgebung

Das Maracanã (78.838 Plätze) blieb als aktives Fussballstadion erhalten. Andere Anlagen des Olympiaparks in Barra da Tijuca verfallen schnell — ein klassischer Fall olympischer Nachnutzungsprobleme in einem einkommensschwachen Kontext.

Paris 2024 — Stade de France und historische Kulissen

Paris 2024 nutzte das Stade de France (81.338) als Hauptstadion für die Leichtathletik. Andere Wettkampfstätten — Château de Versailles für Reiten und Moderner Fünfkampf, Trocadéro für das Marathonziel — wurden bewusst in historischen Umgebungen platziert, um Investitionen in neue Anlagen zu minimieren. Das Konzept gilt als wirtschaftlich vernünftiger Ansatz.

Die Karte der olympischen Geschichte

Alle hier genannten Stadien sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Von Berlin bis Paris — eine Reise durch die Olympiastätten der Welt.