Allianz Arena: das leuchtende Kissen Münchens
Die Allianz Arena im Münchner Stadtteil Fröttmaning ist die Heimat des FC Bayern München und das architektonisch meistfotografierte Stadion der 2000er Jahre. Die Außenhaut — 2.874 mit Luft gefüllte, von innen beleuchtete ETFE-Folienkissen — wurde von den Basler Architekten Herzog & de Meuron entworfen und 2005 zur FIFA-WM 2006 eröffnet. Das Ergebnis ist die weltgrößte leuchtende lichtdurchlässige Membranfassade — und ein Gebäude, das die Farbe je nach Heimmannschaft wechselt. Die Lage findet sich auf der Karte.
Vorgeschichte und Wettbewerb
München teilte sich zu Beginn der 2000er Jahre mit den Sechzigern, dem zweiten Bundesligaklub der Stadt, das Olympiastadion — doch dessen Entfernung zum Spielfeld und beschränkte Einnahmen am Spieltag waren zum Wettbewerbsnachteil geworden. Ein Bürgerentscheid 2001 genehmigte den Bau eines neuen Stadions in Fröttmaning; aus einem internationalen Wettbewerb ging der Entwurf von Herzog & de Meuron hervor, ausgewählt wegen seiner unverwechselbaren ETFE-Kissenfassade und seines hochfunktionalen Innenraums.
Die ETFE-Kissenfassade
Die Fassade besteht aus 2.874 luftgefüllten Ethylen-Tetrafluorethylen-Kissen (ETFE), jedes einzeln beleuchtet. Die Kissen sind pneumatisch gestützt, leicht, lichtdurchlässig und in hinreichendem Maß selbstreinigend. Das Lichtsystem kann die gesamte Hülle in Einzelfarben oder Mustern darstellen; sie wechselt zu Rot für Bayern-Heimspiele, zu Blau in den Jahren der Doppelnutzung mit 1860 München (2005-2017) und zu Weiß für Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft. Champions-League-Abende boten besondere Beleuchtungen für gegnerische Städte; auch Sonderfarben (Regenbogen, Wohltätigkeitsfarben, Trauerschwarz) wurden mehrfach eingesetzt.
Die Doppelnutzung mit 1860 München
Zwischen 2005 und 2017 war die Allianz Arena Heimstätte sowohl des FC Bayern als auch der Sechziger; die Fassade wechselte zwischen den Spielen die Farbe. Mit dem Abstieg von 1860 München aus der 2. Bundesliga 2017 endete die Vereinbarung, und der kleinere Klub kehrte ins Grünwalder Stadion zurück. Seit 2017 ist die Allianz Arena ausschließlich Bayerns Heimat, und die blaue Fassadenkonfiguration wird hauptsächlich für die weißen Länderspiele der Nationalmannschaft beibehalten.
Kapazität und Konfiguration
Die ursprüngliche Kapazität lag bei 66.000 Sitzplätzen; spätere Erweiterungen hoben die Zahl auf 75.000 (Bundesliga-Konfiguration, mit umgebauten Stehplätzen in der Südkurve bei Bayern-Heimspielen) und 70.000 (UEFA-Vollsitzkonfiguration). Die Tribünenschale ist steil, alle Plätze sind durch das umlaufende ETFE-Kissendach überdacht und bieten freie Sicht aufs Spielfeld. Die Südkurve bündelt die lautesten Bayern-Anhänger und produziert die Choreografien für die großen Bundesliga- und Champions-League-Spiele.
WM 2006 und EM 2024
Die Allianz Arena trug bei der WM 2006 sechs Spiele aus, darunter das Eröffnungsspiel (Deutschland 4:2 Costa Rica) und das Halbfinale zwischen Italien und Deutschland. Zur UEFA EURO 2020 (gespielt 2021) richtete die Arena vier Spiele unter dem temporär neutralen UEFA-Namen Munich Football Arena aus. Bei der EURO 2024 war das Stadion Schauplatz des Eröffnungsspiels (Deutschland 5:1 Schottland) und mehrerer K.o.-Partien, erneut unter einem temporär kommerziell neutralen Namen.
Champions-League-Abende
Bayerns Heimbilanz in der Champions League in der Allianz Arena gehört zu den besten in Europa, mit den Wegen zum Triple 2013 (Heynckes-Ära) und zum Lissabonner Finalsieg 2020 (Hansi Flick), die jeweils auf überzeugenden Heimauftritten fußten. Das Finale 2012 zwischen Bayern und Chelsea — in der Allianz Arena ausgetragen und im Elfmeterschießen verloren — bleibt für Bayern-Anhänger eine schmerzhafte Erinnerung; die Ironie eines Heimfinals, das an einen englischen Gast ging, wird bis heute diskutiert.
Bayerns moderne Dominanz
Die Allianz Arena war Schauplatz von Bayerns Vorherrschaft in der Bundesliga seit 2013, mit elf Meisterschaften in Folge bis 2023 (deutscher Rekord), zwei weiteren erreichten Champions-League-Finals (2012 verloren, 2013 und 2020 gewonnen) und konstanten 75.000 bei jedem Bundesliga-Heimspiel. Die wirtschaftliche und sportliche Kluft zwischen Bayern und dem Rest der Bundesliga, die das neue Stadion mit auszuformen half, ist selbst zum Diskussionsgegenstand im deutschen Fußball geworden.
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Die Allianz Arena ist für Stadionführungen geöffnet, die Bayerns Kabine, Spielertunnel, Pressekonferenzraum, die FC Bayern Erlebniswelt (das meistbesuchte Fußballmuseum Deutschlands) und einen Blick auf die Südkurve umfassen. Die Arena erreicht man mit der Münchner U6 bis Fröttmaning; an Spielabenden ist die leuchtende Fassade schon vom Bahnsteig aus zu sehen. Die Lage findet sich auf der Karte.