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Die zehn wichtigsten Stadien in den USA

Die amerikanische Stadionlandschaft folgt anderen Regeln als die europäische. Vier konkurrierende Sportarten — NFL, College-Football, MLB-Baseball und MLS-Fußball — bauen jeweils nach eigenen Konventionen, und die wirklich großen Schüsseln des Landes gehören nicht den Profiteams, sondern den Universitäten. Wer das Bild der USA-Stadien verstehen will, muss alle vier Sparten gemeinsam betrachten. Jeder hier vorgestellte Bau ist auf der Karte eingezeichnet.

1. Michigan Stadium, Ann Arbor

Kapazität: 107.601. Das Big House der Michigan Wolverines ist das größte Stadion der westlichen Hemisphäre und nach dem Rungrado-Stadion in Pjöngjang das zweitgrößte der Welt. Eröffnet 1927, mehrfach erweitert und 2010 zuletzt umfassend modernisiert. Eine architektonische Besonderheit: Die Schüssel liegt unter dem ursprünglichen Geländeniveau, von außen sieht man nur die oberen Ränge. Jedes Heimspiel seit 1975 wurde von mehr als 100.000 Zuschauern besucht — eine Serie, die im amerikanischen Sport ihresgleichen sucht.

2. SoFi Stadium, Inglewood

Kapazität: 70.240, erweiterbar auf über 100.000. Eröffnet 2020 als gemeinsame Spielstätte der Los Angeles Rams und Chargers. Das von HKS entworfene Stadion ist mit geschätzten Baukosten von über fünf Milliarden Dollar der teuerste Stadionbau aller Zeiten. Ein gewaltiges, lichtdurchlässiges ETFE-Dach überspannt das gesamte Areal. Über dem Spielfeld hängt der Infinity Screen — eine doppelseitige Videoleinwand mit rund 6.500 Quadratmetern Fläche, die größte ihrer Art weltweit. 2022 fand hier der Super Bowl LVI statt, 2028 wird das Stadion Schauplatz der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele von Los Angeles sein.

3. MetLife Stadium, East Rutherford

Kapazität: 82.500. Spielstätte sowohl der New York Giants als auch der New York Jets — der einzige NFL-Standort, den sich zwei Teams teilen. Im Sommer 2026 wird hier das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen, das erste WM-Finale auf US-amerikanischem Boden. Die Außenfassade lässt sich farblich umrüsten, je nachdem, welches Team gerade Heimrecht hat — ein Konzept, das eindeutig von der Münchner Allianz Arena übernommen wurde.

4. Lambeau Field, Green Bay

Kapazität: 81.441. Heimstadion der Green Bay Packers seit 1957 und das älteste durchgehend betriebene NFL-Stadion. Das Besondere: Die Packers gehören als einziges NFL-Team der Stadt selbst und ihren Anteilseignern, nicht einem Privatinvestor — eine Eigentümerstruktur, die NFL-intern als Sonderfall mit Bestandsschutz behandelt wird. Das Ice Bowl von 1967, gespielt bei minus 25 Grad Celsius, gehört zur Folklore des amerikanischen Football.

5. Ohio Stadium, Columbus

Kapazität: 102.780. Das Horseshoe der Ohio State Buckeyes ist drittgrößtes US-Stadion und nationales Kulturerbe. Eröffnet 1922 als offene Hufeisenform, in den frühen 2000er-Jahren geschlossen, ohne die Namensgebung aufzugeben. Die Rivalität zwischen Ohio State und Michigan — schlicht als The Game bekannt — ist die meistbesuchte Einzelpartie im amerikanischen Sport.

6. Beaver Stadium, University Park

Kapazität: 106.572. Heimstadion der Penn State Nittany Lions und zweitgrößtes Stadion der USA. Berühmt für das White Out: Bei einem ausgewählten Abendspiel pro Saison erscheinen alle Zuschauer in Weiß gekleidet, was eine visuell überwältigende Kulisse erzeugt. Eine umfassende Renovierung läuft bis 2027, mit leichter Kapazitätsreduktion zugunsten moderner Logenflächen und Infrastruktur.

7. AT&T Stadium, Arlington

Kapazität: 80.000, erweiterbar auf 105.000. Spielstätte der Dallas Cowboys seit 2009, von HKS entworfen, Baukosten rund 1,3 Milliarden Dollar. Das einfahrbare Hauptdach, die ausfahrbaren Endzone-Tore und die fast 55 Meter lange zentrale Videoleinwand setzten 2009 neue Maßstäbe für die NFL-Stadionarchitektur. Cowboys-Eigner Jerry Jones finanzierte das Projekt weitgehend aus privatem Vermögen — eine bemerkenswerte Ausnahme im sonst stark öffentlich subventionierten US-Stadionbau.

8. Yankee Stadium, Bronx

Kapazität: 46.537 für Baseball. Das aktuelle Yankee Stadium wurde 2009 direkt gegenüber dem 1923 errichteten Vorgängerbau eröffnet, dessen Gelände inzwischen ein öffentlicher Park ist. Der Neubau übernimmt mehrere Gestaltungselemente des Originals — die hellbeige Kalksteinfassade, das Fries unter dem Oberrang — und kombiniert sie mit moderner Hospitality. Die 27 World-Series-Titel der Yankees machen sie zum erfolgreichsten Franchise im nordamerikanischen Sport. Seit 2015 trägt zudem der MLS-Klub New York City FC seine Heimspiele hier aus.

9. Mercedes-Benz Stadium, Atlanta

Kapazität: 71.000 für NFL, erweiterbar auf 83.000. Heimspielstätte der Atlanta Falcons (NFL) und von Atlanta United (MLS), eröffnet 2017. Das markanteste Merkmal ist das öffnende Oculus-Dach aus acht dreieckigen Stahlsegmenten, das sich wie eine Kamerablende öffnet und schließt — eines der konstruktiv anspruchsvollsten beweglichen Dächer im Stadionbau. Atlanta United füllt regelmäßig mehr als 70.000 Plätze, höher als jeder andere MLS-Klub.

10. Allegiant Stadium, Las Vegas

Kapazität: 65.000, erweiterbar auf 71.835. Heimspielstätte der Las Vegas Raiders nach deren Umzug aus Oakland, 2020 eröffnet. Bauplaner war HNTB. Das schwarze Stadion mit fest verschlossenem Dach hat ein bemerkenswertes Detail: Der Naturrasen wird zwischen den Spieltagen auf einer rollbaren Plattform aus dem Gebäude gefahren, damit er Tageslicht erhält. Las Vegas zahlte für die Ansiedlung der Raiders rund 750 Millionen Dollar öffentliche Mittel — eine vieldiskutierte Summe.

NFL, College Football und MLB

Die Größenhierarchie der US-Stadien ist anders als oft angenommen. Die größten Bauten sind College-Football-Stadien, nicht NFL-Stadien — Michigan, Penn State, Ohio State und Texas A&M überschreiten alle die 100.000-Marke, während kein einziges NFL-Stadion regulär so groß ist. MLB-Ballparks fassen typischerweise 35.000 bis 50.000, MLS-Anlagen oft nur 20.000 bis 30.000 nach europäischem Fußballvorbild.

Die WM 2026 und die US-Stadienkarte

Bei der WM 2026, gemeinsam mit Kanada und Mexiko ausgerichtet, finden 78 der 104 Spiele in den USA statt — darunter das Endspiel im MetLife Stadium. Elf US-Städte sind als Spielorte bestätigt: Atlanta, Boston (Foxborough), Dallas, Houston, Kansas City, Los Angeles (SoFi), Miami, New York/New Jersey, Philadelphia, San Francisco (Levi's) und Seattle. An mehreren Standorten — vor allem in den Football-Stadien mit Kunstrasen — wird für die WM ein temporärer Naturrasen über den Originaluntergrund gelegt.

Anreise und Atmosphäre

Spieltage in den USA laufen anders als in Europa. Das Tailgating — Grillen, Picknicken und Trinken auf dem Stadionparkplatz Stunden vor dem Anstoß — ersetzt die Kneipenkultur europäischer Fußballstädte. Anbindung mit öffentlichem Verkehr ist die Ausnahme, nicht die Regel: Yankee Stadium (U-Bahn), SoFi (geplanter Bahnanschluss) und Allianz Field in Minneapolis (Stadtbahn) bilden die wenigen Sonderfälle. Alle hier genannten Bauten sind auf der Karte verzeichnet.