Die zehn wichtigsten Stadien in der Schweiz
Das Stadionbild des Schweizer Fußballs wurde durch die EM 2008 neu vermessen, die zusammen mit Österreich ausgerichtet wurde. Basel, Bern, Genf und Zürich erhielten je eine turnierreife Anlage, und die Super-League-Klubs haben ihre Regionalstadien seither weiter verbessert. Das Schweizer Modell unterscheidet sich von vielen europäischen Ländern: kompakte, gut unterhaltene Bauten von 20.000 bis 40.000 Plätzen für eine Erstligaserie mit nur zehn Klubs. Jede Anlage ist auf der Karte eingezeichnet.
1. St. Jakob-Park, Basel
Kapazität: 38.512. Heimstadion des FC Basel, 2001 eröffnet und für die EM 2008 substanziell erweitert. Das Stadion wurde von Herzog & de Meuron entworfen — derselbe Basler Architekturbüro, das auch die Allianz Arena und das Pekinger Vogelnest baute. Eine Besonderheit: An der Südseite des Bauwerks sind Wohnungen direkt in die Stadionhülle integriert. Die Außenfassade wird von innen beleuchtet. Der FC Basel ist mit 21 Super-League-Titeln die dominierende Schweizer Mannschaft der letzten 20 Jahre. Hier wurden EM-Gruppenspiele und ein Halbfinale 2008 ausgetragen.
2. Stade de Suisse (Stadion Wankdorf), Bern
Kapazität: 31.789 in der Super-League-Konfiguration. Heimstätte der BSC Young Boys an der Stelle, wo 1954 das WM-Finale gespielt wurde (BRD 3:2 Ungarn — Das Wunder von Bern). Das alte Wankdorf wurde 2001 abgerissen, der heutige 2005 eröffnete Bau steht auf demselben Areal. Das Dach ist mit Solarmodulen bestückt — eines der ersten europäischen Stadien, das Strom ins öffentliche Netz einspeist. Young Boys dominieren die Super League seit 2018 mit mehreren Titeln.
3. Stade de Genève, Genf
Kapazität: 30.084. Heim von Servette FC im Lancy-Quartier Genfs, 2003 eröffnet und EM-2008-Spielstätte. Das Stadion ist Servettes Heim während aller finanziellen Höhen und Tiefen geblieben. Servette gewann die Schweizer Meisterschaft 1998/99 und ist in den letzten Jahren wieder konstant in der Spitzengruppe. Hier finden Genfs Hauptfußballfixturen und gelegentlich Schweizer Länderspiele statt.
4. Letzigrund, Zürich
Kapazität: 26.000. Geteilt von Grasshopper Club Zürich und FC Zürich, vollständig neu gebaut und 2007 für die EM 2008 wiedereröffnet. Die Leichtathletikbahn wurde bewusst erhalten — eines der wenigen großen europäischen Fußballstadien, in denen die Bahn die Modernisierung überlebt hat —, weil Letzigrund weiterhin Austragungsort des jährlichen Weltklasse-Zürich-Meetings ist, einer der wichtigsten Diamond-League-Veranstaltungen. Das Zürcher Derby zwischen GC und FCZ wird hier mehrmals pro Saison gespielt.
5. Tissot Arena, Biel/Bienne
Kapazität: 6.000. Heimstadion des FC Biel/Bienne in der zweisprachigen französisch-deutschen Schweizer Stadt. Die 2015 eröffnete kompakte moderne Anlage repräsentiert das kleinere Ende der Schweizer Klubfußballskala. FC Biel/Bienne spielt in der zweiten Liga, das Stadion ist aber regelmäßig Schauplatz von Pokalspielen und Gastauftritten.
6. Stockhorn Arena, Thun
Kapazität: 10.000. Heim des FC Thun im Berner Oberland, 2011 eröffnet. Das Stadion liegt landschaftlich an einer der eindrücklichsten Stellen im europäischen Fußball — das Stockhorn-Massiv steigt unmittelbar hinter der Südtribüne auf, vom Oberrang aus ist der Thunersee sichtbar. Der Name verweist auf den Stockhorn-Gipfel. Der FC Thun erreichte 2005/06 die Champions-League-Gruppenphase, eine bemerkenswerte Leistung für einen Klub aus einer 45.000-Einwohner-Stadt.
7. Brügglifeld, Aarau
Kapazität: 9.249. Kompaktes historisches Heim des FC Aarau, 1924 eröffnet und in mehreren Etappen modernisiert. Aarau gewann 1992/93 den Schweizer Meistertitel — der jüngste Titel eines Klubs außerhalb der Achse FC Basel / Young Boys / Zürich. Architektonisch zählt das Brügglifeld zu den traditionellsten Anlagen der Schweiz; die ursprünglichen Betontribünen sind weiterhin in Nutzung.
8. Schützenwiese, Winterthur
Kapazität: 8.500. Heimstadion des FC Winterthur, ursprünglich 1903 eröffnet und mehrfach modernisiert. Eine der ältesten ununterbrochen genutzten Fußballanlagen Europas. Der FC Winterthur kehrte 2022 nach Jahrzehnten in tieferen Ligen in die Super League zurück; die bescheidene Anlage entspricht der traditionellen Klubgröße.
9. Stade de la Pontaise, Lausanne
Kapazität: 12.544 (außer Betrieb seit 2020). Historische Heimstätte von Lausanne-Sport, von 1904 bis 2020 im Einsatz. Lausanne zog 2020 in das neue Stade de la Tuilière. Die Pontaise war Schauplatz von Vorspielen zum WM-Finale 1954 und gehört zu den historisch dichtesten Stätten des Schweizer Fußballs. Der neue Tuilière-Bau markiert den Schritt in die moderne Ära.
10. Stade de la Tuilière, Lausanne
Kapazität: 12.544. Neues Heim von Lausanne-Sport, 2020 eröffnet, mit einer modernen Außenhaut aus feinmaschigem Metallgewebe und steilen Tribünen nahe dem Spielfeld. Die kompakte, moderne Schüssel ist gegenüber der Pontaise ein deutlicher Sprung und steht für die aktuelle Richtung Schweizer Klubstadionentwicklung.
EM 2008 und das Schweizer Erbe
St. Jakob-Park (Basel), Stade de Suisse (Bern), Stade de Genève (Genf) und Letzigrund (Zürich) waren Schauplätze von Gruppen- und K.-o.-Spielen der EM 2008. Die Schweizer Turnierinfrastruktur wird seither durchgehend von Super-League-Klubs, der Nationalmannschaft und durch Champions-League- und Europa-League-Auftritte Schweizer Klubs genutzt. Anders als in manchen Ländern hat keines der EM-Stadien Nachnutzungsprobleme.
Die Schweizer Super League
Die Super League umfasst zehn Mannschaften in einem vierfachen Runde-Format (jede Mannschaft spielt vier Mal gegen jede andere), das 36 Spieltage pro Saison ergibt. FC Basel und Young Boys haben die letzten beiden Jahrzehnte dominiert, FC Zürich, Grasshoppers, Lugano, St. Gallen, Servette und Lausanne-Sport runden das Umfeld ab. Die Liga liefert regelmäßig Champions-League- und Europa-League-Qualifikanten; Schweizer Klubs erreichen gelegentlich K.-o.-Runden.
Fußballkultur der Schweiz
Die Schweizer Fußballkultur variiert zwischen Deutschschweiz und Welschland. Basel, Zürich, Bern und St. Gallen liefern die stabilsten Zuschauerzahlen im deutschsprachigen Teil; Genf, Lausanne und Lugano (italienischsprachig) tragen die lateinisch-schweizerische Fußballtradition. Die Nationalmannschaft ist seit 15 Jahren WM- und EM-Stammgast und erreichte das EM-Viertelfinale 2020. Alle aufgeführten Spielstätten sind auf der Karte verzeichnet.