Die zehn wichtigsten Stadien in Rumänien
Die rumänische Stadionlandschaft wurde von einer Welle neuer Bauten in den großen Städten — Bukarest, Cluj-Napoca, Craiova, Timișoara — geprägt, die die alternde Infrastruktur aus der kommunistischen Zeit ablösen. Die 2011 eröffnete Arena Națională in Bukarest setzte den Maßstab, mehrere Regionalstadien folgten. Jede hier vorgestellte Anlage ist auf der Karte eingezeichnet.
1. Arena Națională, Bukarest
Kapazität: 55.634. Rumäniens Nationalstadion, 2011 auf dem Gelände des abgerissenen Stadionul Național de Fotbal "Lia Manoliu" eröffnet. Entworfen vom Büro GMP Architekten mit einem einfahrbaren Dach. Hier fanden 2012 das Europa-League-Finale (Atlético Madrid 3:0 Athletic Bilbao) und 2021 vier Spiele der pandemiebedingt verschobenen Euro 2020 statt. Heimspielstätte der rumänischen Nationalmannschaft und Schauplatz von Champions-League-Begegnungen sowie wichtiger Pokalfinals.
2. Stadionul Steaua, Bukarest
Kapazität: 31.254. Heimstadion von Steaua Bukarest im Stadtteil Ghencea, 2021 als Neubau anstelle des historischen Stadionul Ghencea eröffnet. Das Original-Ghencea war Heim der Europacup-Sieger-Mannschaft von 1986 — der einzige Europapokal der Landesmeister, den eine osteuropäische Mannschaft zwischen dem Zerfall des Ostblocks und der Champions-League-Ära gewann. Der Neubau bewahrt den historischen Standort und liefert moderne Infrastruktur. Die rechtliche Nachfolge zwischen FCSB und CSA Steaua ist juristisch komplex; beide Klubs spielen am Standort.
3. Cluj Arena, Cluj-Napoca
Kapazität: 30.201. Das größte Stadion Siebenbürgens, 2011 auf dem Gelände des früheren Stadionul Ion Moina eröffnet. Hauptnutzer in jüngerer Zeit ist Universitatea Cluj; CFR Cluj nutzt das nahe gelegene Stadionul Dr. Constantin Rădulescu. Die Cluj Arena ist auch Standort für rumänische Länderspiele in der Region und große Konzerte. Die markante diagonale Seilstruktur der Fassade gehört zu den auffälligsten neueren Stadionentwürfen Osteuropas.
4. Stadionul Giulești, Bukarest
Kapazität: 14.047. Heimstadion von Rapid Bukarest im Stadtteil Giulești, 2022 nach Abriss des historischen Ursprungsbaus neu errichtet. Der Stadtteil Giulești ist seit der Vereinsgründung 1923 mit dem Klub verknüpft — Rapid bleibt der traditionsstarke Verein der Bukarester Eisenbahnerschaft. Der Neubau hält den historischen Standort und modernisiert die Infrastruktur.
5. Stadionul Dr. Constantin Rădulescu, Cluj-Napoca
Kapazität: 23.500. Heim von CFR Cluj, 1973 eröffnet und mehrfach modernisiert. CFR war Rumäniens dominierender Klub der vergangenen Dekade mit sieben SuperLiga-Titeln zwischen 2008 und 2022 und Champions-League-Gruppenphasen-Qualifikationen. Der Name des Stadions ehrt einen ehemaligen Vereinsarzt — eine ungewöhnliche Namenstradition im europäischen Fußball.
6. Stadionul Ion Oblemenco, Craiova
Kapazität: 30.983. Heimstadion von Universitatea Craiova im Süden Rumäniens, 2017 auf dem Gelände des historischen Stadionul Ion Oblemenco eröffnet. Die Craiovaer Fußballtradition reicht weit zurück: Die ursprüngliche Universitatea Craiova erreichte 1982/83 das Europacup-Halbfinale. Der aktuelle Klub spielt in der SuperLiga, der moderne Neubau gehört zu den besten Rumäniens.
7. Stadionul Francisc von Neuman, Arad
Kapazität: 12.500. Heimstadion von UTA Arad in Westrumänien nahe der ungarischen Grenze. UTA war einer der dominierenden Klubs der Nachkriegszeit mit mehreren rumänischen Meisterschaften in den 1940er- und 1960er-Jahren. Das moderne Stadion wurde 2020 auf dem Gelände des historischen Vorgängers eröffnet. Die kompakte neue Schüssel gehört architektonisch zu den interessantesten in der rumänischen Regionalliga.
8. Stadionul Municipal, Pitești
Kapazität: 15.000. Heimstadion von FC Argeș Pitești, in mehreren Etappen modernisiert. FC Argeș ist traditionsreich, und die Stadt Pitești hat im Verhältnis zu ihrer Bevölkerung von rund 155.000 viele Fußballer hervorgebracht. Die Nationalmannschaft nutzt das Stadion gelegentlich für Freundschaftsspiele.
9. Stadionul Municipal Sibiu
Kapazität: 12.500. Heim von FC Hermannstadt in Sibiu/Hermannstadt in Siebenbürgen. Der historische deutsche Name spiegelt die sächsische Stadtgeschichte wider und ist im Vereinsnamen erhalten. Das kompakte Stadion wurde 2018 eröffnet und repräsentiert die neue Generation rumänischer Regionalanlagen.
10. Stadionul Dan Păltinișanu, Timișoara
Kapazität: 32.019. Wichtigste Fußballarena von Timișoara, 1963 eröffnet und teilweise renoviert. Über die Jahrzehnte hat das Stadion die Nationalmannschaft und mehrere Klubs beherbergt, obgleich der lokale Vereinsfußball deutlich schwankte. Politehnica Timișoara, der historische Klub, löste sich 2012 auf; mehrere Nachfolgevereine spielten am Standort.
Die rumänische SuperLiga
Der rumänische Spitzenfußball ist in den letzten Jahren wieder wettbewerbsfähiger geworden. CFR Clujs Titelserie zwischen 2017 und 2022 wurde 2022/23 von Farul Constanța unter Gheorghe Hagi durchbrochen. Die SuperLiga hat ihre Struktur mehrfach geändert und umfasst aktuell 16 Klubs mit Auf-/Abstiegs-Playoffs und einer Meisterrunde der Top sechs. Die Investitionen nehmen langsam zu, der Abstand zu den westeuropäischen Ligen bleibt aber bei Spielergehältern erheblich.
Die goldene rumänische Generation
Die 1990er-Jahre markierten den Höhepunkt des rumänischen Fußballs. Das WM-Viertelfinale 1994 (mit dem Achtelfinalsieg gegen Argentinien) und das EM-Viertelfinale 2000, getragen von Hagi, Petrescu, Mutu, Popescu und Dumitrescu, gelten weiterhin als wichtigste Referenzpunkte der Geschichte. Steauas Europacup-Sieg 1986 ist der einzige Europapokal eines rumänischen Klubs und einer der wenigen osteuropäischen Erfolge der Pokal-der-Landesmeister-Ära.
Stadionbesuch
Der rumänische Fußball wird für Auswärtsbesucher zunehmend zugänglich. Die Bukarester Stadien sind per Metro und Bus erreichbar, Regionalstadien per Bahn. Tickets sind nach westeuropäischen Maßstäben günstig. Die Arena Națională und das neue Steaua-Stadion gehören zu den architektonisch interessantesten Neubauten der letzten 15 Jahre in Osteuropa. Alle Anlagen sind auf der Karte verzeichnet.