Die zehn wichtigsten Stadien in Österreich
Die österreichische Stadionlandschaft wurde maßgeblich für die EM 2008 modernisiert, die das Land zusammen mit der Schweiz ausrichtete. Vor allem Wien und Salzburg erhielten umfassend ausgebaute Spielstätten, und die Bundesligaklubs in Graz, Innsbruck und Linz zogen in den Jahren danach nach. Die folgende Übersicht deckt das Nationalstadion, die wichtigsten Klubarenen und die Regionalstadien ab, die den österreichischen Fußball jenseits Wiens prägen. Jede Anlage ist auf der Karte eingezeichnet.
1. Ernst-Happel-Stadion, Wien
Kapazität: 50.865. Österreichs Nationalstadion im Wiener Prater, ursprünglich 1931 als Praterstadion eröffnet und 1992 nach dem legendären österreichischen Trainer Ernst Happel umbenannt. Hier fanden drei Europapokal-der-Landesmeister-Finals (1964, 1987, 1990) statt sowie das EM-Finale 2008 (Spanien 1:0 Deutschland). Die historische äußere Betonschale ist neben mehreren Innenmodernisierungen erhalten geblieben. Heimspielstätte der Nationalmannschaft und regelmäßig Schauplatz von Champions-League- und Europa-League-Spielen österreichischer Klubs.
2. Red Bull Arena, Salzburg
Kapazität: 30.188. Heimstadion von FC Red Bull Salzburg im Vorort Wals-Siezenheim. 2003 als Wals-Siezenheim Stadion eröffnet und für die EM 2008 grundlegend erweitert. Die Transformation des früheren SV Austria Salzburg durch Red Bull zu Europas konsequentestem Talententwicklungsklub hat die Arena zu einer der meistbeobachteten Spielstätten Mitteleuropas gemacht. Die Champions-League-Auftritte Salzburgs seit 2018 bringen regelmäßig europäische Abende ins Stadion.
3. Allianz Stadion, Wien
Kapazität: 28.345. SK Rapid Wiens Heim, 2016 nach Abriss des Gerhard-Hanappi-Stadions auf demselben Gelände eröffnet. Rapid ist Österreichs publikumsstärkster Klub mit aktuell 32 Meistertiteln. Der Entwurf — kompakte, steile Tribünen mit ausdrücklich als Stehblock konzipierter Westtribüne (Block West) — produziert eine der lautesten Atmosphären im österreichischen Fußball. Hier spielt Rapid seine Champions-League- und Europa-League-Heimspiele.
4. Generali-Arena, Wien
Kapazität: 17.656. Heimstadion von FK Austria Wien im Bezirk Favoriten, 2018 umfassend neu gebaut. Die Generali-Arena (historisch auch als Franz-Horr-Stadion bekannt) ist Wiens zweitgrößtes Fußballstadion nach dem Happel. Die neue Schüssel ist intim und steil und passt zur traditionellen bürgerlichen Wiener Kaffeehaus-Anhängerschaft der Austria — ein Gegenpol zur Arbeiterklasse-Tradition von Rapid in Hütteldorf.
5. Linzer Stadion (Raiffeisen Arena), Linz
Kapazität: 19.080. Heimstadion von LASK Linz, in heutiger Form 2023 auf dem Gelände des historischen Linzer Stadions eröffnet, das seit 1952 die Linzer Fußballgeschichte trug. Der Aufstieg von LASK zum österreichischen Bundesliga-Spitzenklub Ende der 2010er und Anfang der 2020er Jahre — inklusive Europa-League-Viertelfinale — war der Anlass für den Neubau. Das neue Stadion gehört zu den modernsten in Österreich.
6. Tivoli-Neu, Innsbruck
Kapazität: 16.008. FC Wacker Innsbruck (heute aufgelöst) nutzte den 2000 eröffneten Tivoli-Neu als Ersatz für das ältere Tivoli-Stadion. WSG Tirol als Nachfolgeklub spielt heute hier. Die Lage in Innsbruck — Österreichs alpiner Sportmittelpunkt und zweimaliger Winter-Olympia-Gastgeber — verleiht der Anlage einen Hintergrund, den kein anderes österreichisches Stadion bietet. Die Nordkette erhebt sich unmittelbar hinter dem Stadion.
7. Merkur Arena, Graz
Kapazität: 16.364. Heimstadion von SK Sturm Graz und GAK 1902 im Stadtteil Liebenau, 1997 eröffnet und mehrfach mit wechselnden Sponsoringnamen versehen. Sturm Graz ist Stammkraft in der Bundesliga und erreichte 2000 und 2024 die Champions-League-Gruppenphase. Das Grazer Derby — Sturm gegen GAK — gehörte zu den klassischen Auseinandersetzungen des österreichischen Fußballs, wurde durch die Insolvenzen und Neugründungen des GAK aber unregelmäßig.
8. Schwarzl-See-Stadion, Premstätten
Kapazität: 8.750. Eine kleinere Anlage nahe Graz, die Sturm-Reserve und Spiele unterer Ligen nutzt. Die Lage am Schwarzl-See gehört zu den landschaftlich reizvollsten Stadionplätzen Österreichs. Keine Bundesligaspielstätte im engeren Sinne, aber als Beobachtungsobjekt für die Reservespiele Sturms erwähnenswert.
9. Mondi Arena, Wattens
Kapazität: 5.200. Eine sekundäre Heimstätte von WSG Tirol in der Tiroler Gemeinde Wattens. Der Klub verlegte die Hauptmatchtage in den Innsbrucker Tivoli. Die Mondi Arena spiegelt die historische Größenordnung der Tiroler Lokalfußballtradition und ist ein nützlicher Vergleichspunkt zu den Innsbrucker Spielstätten.
10. NV Arena, Sankt Pölten
Kapazität: 8.000. SKN St. Pöltens Heim, 2012 eröffnet. Eine kompakte Anlage in der niederösterreichischen Landeshauptstadt; sie illustriert das typische Format eines zuletzt erst aufgestiegenen österreichischen Bundesligaklubs — modern, ordentlich gebaut, aber moderat groß. SKN pendelt in den letzten Saisons zwischen Bundesliga und Zweitliga.
EM 2008 und die österreichischen Stadioninvestitionen
Die Mitausrichtung der EM 2008 mit der Schweiz war der zentrale Anlass für die modernen Stadioninvestitionen Österreichs. Das renovierte Ernst-Happel-Stadion, die erweiterte Red Bull Arena Salzburg, der neue Tivoli in Innsbruck und das neu gebaute Wörthersee-Stadion in Klagenfurt waren die österreichischen Turnierorte. Das Wörthersee-Stadion kämpft mit der Nachnutzung mangels eines stabilen Klagenfurter Erstligaklubs, auch wenn die jüngste Saisons von SK Austria Klagenfurt die Lage verbessert haben.
Die österreichische Bundesliga
Red Bull Salzburg dominiert die Bundesliga seit Anfang der 2010er Jahre mit zehn Meistertiteln in Folge zwischen 2014 und 2023, bevor Sturm Graz 2023/24 unterbrach. Die Liga umfasst zwölf Klubs in einem geteilten Saisonformat mit Meister- und Abstiegsrunde nach der Hauptphase. Das Wettbewerbsniveau ist mit Red Bulls Investitionen gestiegen, der Etatabstand zwischen Salzburg und dem Rest der Liga bleibt jedoch erheblich.
Die österreichische Fußballtradition
Die historischen Höhepunkte des österreichischen Fußballs — das Wunderteam der 1930er Jahre unter Hugo Meisl, das WM-Halbfinale 1954 und die drei Pokal-der-Pokalsieger-Finals der Wiener Austria (Sieg 1979) — geben dem Land ein reicheres europäisches Erbe, als die heutige Ligaplatzierung suggeriert. Die Talententwicklungsmaschine Red Bull Salzburg hat das österreichische Profil im letzten Jahrzehnt geschärft und Spieler in die Premier League, die deutsche Bundesliga und die Champions League verkauft. Alle beschriebenen Anlagen sind auf der Karte verzeichnet.